Offenes Schreiben (Mail) eines körperbehinderten Kölner Bürgers an Sparkassenvorstand Ulrich Voigt
Sehr geehrter Herr Voigt,
als jahrzehnte langer Kunde (ca. über 60 Jahre) der Sparkasse KölnBonn im Privatgeschäft muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich die Schließung von weiteren 16 Filialen in der Stadt Köln nicht nachvollziehen kann. Auch aus betriebwirtschatlicher Sicht spricht eigentlich nichts dafür, außer, dass sich das Management durch diese Maßnahme mehr Gewinn erhofft. Was bei
einem bescheidenen Festgehalt von 706.400 Euro plus variable Zulagen pro Jahr sicherlich erforderlich ist. Auch die Argumentation der Sparkasse KölnBonn, dass weniger Kunden den Schalterbetrieb in Anspruch nehmen, ist nach meinen Recherchen bei der Filiale Köln-Widdersdorf schlicht und ergreifend falsch und entspricht aus meiner täglichen Wahrnehmung auch nicht den Tatsachen. Da ich schwerbehindert, gehbehindert und auf Begleitung angewiesen bin, muss ich in Zukunft an einer Bushaltestelle, Parkplatz oder Wochenmarkt und bei Wind und Wetter zwischen Autos, Kartoffeln, Gemüse und Obst meine Geldgeschäfte tätigen. Im übrigen habe ich festgestellt, dass die Bankbusse der Sparkasse KölnBonn nicht Barrierefrei sind. Das ist gelinde gesagt, nicht nur eine Zumutung sondern auch eine Unverschämtheit gegenüber behinderten Menschen. Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Geldbringdienst, der nur gegen eine Gebühr tätig wird. Ferner wäre es interessant zu erfahren, was mit den Bankfächern/Schließfächern in den geschlossenen Filialen geschehen wird. Die Mietgegebühr wurde zum 01.02.2024 für ein Jahr abgebucht. Auch der Hinweis auf das Online-Verfahren ist fern der Wirklichkeit, denn wie soll ich online über meine Sparbücher verfügen oder Bargeld vom Girokonto abheben und das nur 2 mal für 2 Stunden in der Woche auf einem Parkplatz oder auf dem Wochen-markt und in aller Öffentlichkeit in einem Bus.
Im übrigen ist die Sparkasse KölnBonn nach dem Sparkassengesetz als öffentlich rechtliches Bankinstitut verpflichtet, für die Bevölkerung der Stadt Köln den Geldfluss sicherzustellen, was mit der Schließung der 16 Filialen in Köln und den geringeren Schalterstunden (bisher 16 Stunden; ab 01,07,2024 nur noch 4 Stunden) in einem Bus aus meiner Sicht, nicht mehr gewährleistet ist.
In den früheren Jahren war die Sparkasse KölnBonn (Stadtsparkasse Köln) ein elitäres Bankinstitut, davon ist die Sparkasse KölnBonn heute Lichtjahre entfernt.
Im übrigen nehme ich Bezug auf § 2 Abs. 3 Sparkassengesetz NRW, der folgenden Wortlaut beinhaltet, und zwar: Die Sparkassen führen ihre Geschäfte nach kaufmännischen Grundsätzen unter Beachtung ihres öffentlichen Auftrags; Gewinnerzielung ist nicht Haupzweck des Geschäftsbetriebes.
Liebe Kölner Mandatsträger von Grünen, CDU, SPD und Linke im Verwaltungsrat der Sparkasse KölnBonn; was haben Sie sich bei der Verwaltungsratssitzung am 30.01.2024 eigentlich gedacht, als Sie dem Vorschlag des Vorstandes bezüglich der Schließung von insgesamt 22 Filialen zum 01.07.2024 und den Verlust von dutzenden Arbeitsplätzen in der Zukunft zugestimmt haben. Wenn das eine Firma wie Ford oder der Kölner Stadtanzeiger mit seinem Druckerzentrum macht, ist bei der nächsten Ratssitzung die Aufregung besonders groß. In diesem Fall, obwohl die Stadt Köln mit 70 % an der Sparkasse KölnBonn beteiligt ist, stört das scheinbar niemanden.
Da der Verwaltungsrat am 30.01.2024 den Schließungen zugestimmt hat, dürfte der Vorgang jetzt der Öffentlichkeit bekanntgegeben werden.
In Erwartung Ihrer Rückäußerung verbleibe ich inzwischen mit freundlichen Grüßen
Bernd Johannwerner
