Neues Filialkonzept
per mail am 20.02.2024 an „kontakt@sparkasse-koelnbonn.de“
Sehr geehrte Herren,
die Seniorenvertretung im Stadtbezirk Köln Mülheim hat mit Sorge und Unverständnis die Pläne der Sparkasse KölnBonn zur „Neuordnung“ des Filialnetzes zur Kenntnis genommen. Wir sind uns der Herausforderung eines regionalen Kreditinstitutes in der heutigen Zeit durchaus bewusst. Die nachlassende Nutzung stationärer Servicestellen im Allgemeinen und erst recht vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung ist sicherlich auch für ein gemeinnütziges Institut eine ernst zu nehmende Herausforderung. Das darf aber nicht dazu führen, dass in der Abwägung, welche Standorte kurzfristig „neu geordnet“ werden, die Interessen der älteren Bevölkerung – zu deren Vertretung wir überparteilich gewählt worden sind – übergangen bzw. nicht ausreichend gewürdigt werden. Eine frühzeitige Beteiligung der Seniorenvertretung wäre aus unserer Sicht sicher hilfreich gewesen und hätte die Akzeptanz Ihrer Maßnahme sicher nicht verschlechtert.
Wir möchten nun nachträglich unsere Sicht mit einigen Zahlen und Fakten für den Stadtbezirk Köln Mülheim veranschaulichen:
– Im Stadtbezirk Mülheim trifft Ihre Neugestaltung ausgerechnet mit Dünnwald und Höhenhaus zwei Stadtteile, die räumlich und geschichtlich eng verflochten sind und gerade durch „Trennlinien“ an den Ortsteilgrenzen von anderen Vororten nahezu abgeschnitten sind. Erwähnt seien hier insbesondere Bahnlinien und die Autobahn. Diese Trennungen mit ihren begrenzten Möglichkeiten der Querung erschweren eine Mobilität, und sind mit Berechnungen, die sich lediglich auf Entfernungen stützen, natürlich nicht angemessen abzubilden. Gerade die in deutlich höherem Maße von Mobilitätseinschränkungen betroffene ältere Generation wird nun härter von Ihren Maßnahmen tangiert, als jüngere Menschen.
– Mit dieser Neuordnung schließen Sie überproportional ältere Menschen – die auf sich allein gestellt sind – von der Teilhabe am normalen Leben aus. Gerade in Dünnwald und Höhenhaus leben besonders viele ältere Menschen: In Dünnwald sind 26,5% der Bevölkerung über 60 Jahre alt, in Höhenhaus sogar 28,4%. Zum Vergleich: Im gesamten Stadtbezirk Köln Mülheim sind nur 24,1% der Menschen älter als sechzig Jahre, in ganz Köln nur 23,8%. (Quelle Amt für Statistik und Stadtentwicklung 2022, Seniorenkoordination im Bezirk Mülheim). Hier wäre aus unserer Sicht eine deutlich höhere Sensibilität für die Belange mehr als eines Viertels der Bevölkerung sicher hilfreich gewesen.
– Sind über 60jährige ohnehin schon gefährdet, von einem normalen Leben abgeschnitten zu werden, sind ganz besonders die Ein-Personen-Haushalte mit Senioren akut von Vereinsamung und Verlust der Teilhabe betroffen. Während 2022 im Kölner Stadtgebiet „nur“ 30,8% der Haushalte als Ein-Personen-Haushalt eines über 60jährigen gezählt wurden, sind es in Dünnwald sogar 39,7% aller Haushalte und in Höhenhaus sogar 44,9% (Quelle Amt für Statistik und Stadtentwicklung 2022, Seniorenkoordination im Bezirk Mülheim).
– Die Verlängerung von Öffnungszeiten in Innenstadtfilialen ist für die Senioren im Stadtbezirk Köln Mülheim nicht zielführend. Vor dem Hintergrund dieser Daten und Fakten halten wir als Seniorenvertretung im Stadtbezirk Köln Mülheim die Neuordnungspolitik Ihres Hauses für wenig angepasst an die Verhältnisse vor Ort. Gerade ein gemeinnütziges Kreditinstitut sollte doch hier mehr Sensibilität und Kreativität deutlich werden lassen. Der einzige Bezugspunkt Ihrer Kunden vor Ort wird damit geschlossen, was womöglich auch zu einem zunehmenden Wettbewerbsdruck bei der jüngeren Wohnbevölkerung führt. Durch derart unsensible und nicht ortsbezogene Entscheidungen verschwimmen die Unterschiede im Bankensektor also zunehmend. Es wäre aus unserer Sicht wichtig und wünschenswert, wenn gerade die Sparkassen im Vergleich mit börsennotierten oder sonstigen gewinnorientierten Wettbewerbern wesentliche Teile der Bevölkerung – zu deren Gemeinwohl sie verpflichtet sind – „mitnehmen“ würden.
Wir möchten Sie bitten, den älteren Menschen gerade in Dünnwald und Höhenhaus abseits Ihrer ja nun bekannten scherenschnittartigen Rechtfertigungen der Neuordnung des Filialnetzes Wege aufzuzeigen, die insbesondere die ältere Bevölkerung in den Stadtteilen Dünnwald und Höhenhaus besser mit derart wichtigen Dienstleistungen versorgt:
– Ist im Vorfeld versucht worden, Standorte mit örtlichen Volksbanken zusammenzulegen? Im Erftkreis und in Darmstadt soll es dazu schon erfolgreiche Umsetzungen gegeben haben, warum ist das kein gangbares Modell für Köln?
– Mit einigen Einzelhändlern im Umland hat eine andere Sparkasse Modelle entwickelt, Kunden Bargeld an deren Kassen auszahlen zu können – und zwar unabhängig von Mindestbeträgen oder einem Einkauf. Hat es solche Bemühungen – die ja gerade im Interesse sozial benachteiligter oder älterer Menschen hilfreich sein können – Ihrerseits im Stadtbezirk Köln Mülheim gegeben?
Wir würden es begrüßen, wenn in der Sitzung des Runden Tischs Seniorenarbeit am Donnerstag, dem 07.03.24 um 14.00 Uhr im VHS-Saal, Bezirksrathaus Mülheim, Wiener Platz 2a, 51065 Köln ein Vertreter Ihres Hauses die vorgesehenen Maßnahmen erläutern und Verbesserungsvorschläge im Sinne der älteren Menschen machen könnte.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Kai Kurschilgen
Stellvertretender Sprecher
