Warum Höhenhaus weiterhin eine Filiale eines Geldinstitut braucht
In Höhenhaus leben 16.000 Menschen, was einer Kleinstadt entspricht. Zur Daseinsvorsorge einer solchen sozialen Einheit gehört nicht nur die Versorgung mit Wasser und Energie, Abfallentsorgung usw. Es gilt auch sicherzustellen, dass die dort lebenden Menschen mit Hilfe von Geldtransaktionen ihre zentralen menschlichen Grundbedürfnisse erfüllen können. Dafür bedarf es mindestens eines am Gemeinwohl orientierten Geldinstituts mit (lebendigen!) menschlichen Kundenberatern und -beraterinnen im eigenen Stadtteil.
In Höhenhaus leben über 4.500 Menschen, die 60 Jahre alt und älter sind. Allein 1.135 von diesen sind bereits 80 Jahre alt und älter. Viele von ihnen sind in ihrem Bewegungsvermögen eingeschränkt, haben kein Auto mehr und Fahrradfahren ist bereits zu gefährlich für sie. Wie wollen diese Menschen, wenn sie z.B. „Am Emberg“ wohnen, zu Fuß zur Filiale in Holweide gelangen? Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gleicht dies einer Weltreise. Ähnliche Probleme haben jüngere Menschen mit Behinderungen. Die Höhenhauser Filiale ist barrierefrei, Bankautomaten und Online-Banking sind dies nicht.
Noch immer gibt es auch in Höhenhaus viele Menschen (ältere und solche mit Migrationshintergrund), die sich mit Online-Banking nicht auskennen und sich überhaupt mit dem Internet schwertun, teilweise diesem auch misstrauen. Vieles an dieser Technologie ist für sie zu komplex und dadurch unverständlich. Für diese Personen war und ist es ein Segen, sich an „lebendige“ Kundenberater*innen auch mit kleineren Problemen wenden zu können (etwa dem Ausfüllen einer Überweisung oder dem Widersprechen einer Fehlabbuchung). Für einsame Menschen ist das Gespräch mit den ihnen bekannten Berater*innen manchmal eine der seltenen Möglichkeiten zu sozialer Interaktion, zudem an einem vertrauten Ort.
Solche Menschen werden sich künftig für jede Überweisung, die notwendig wird, auf den Weg nach Holweide machen müssen. Denn es wird für den Einwurf solcher Formulare keinen Briefkasten der Sparkasse mehr in Höhenhaus geben.
In Höhenhaus leben 4.757 Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht einem Anteil von fast 40 Prozent (38,3 %) an der Höhenhauser Bevölkerung! Diese Personen sind oft besonders auf Beratungshilfe angewiesen.
In Höhenhaus leben zudem viele Menschen mit niedrigem Einkommen (Bürgergeld). Deshalb gibt es hier eine „Sozialraum-Koordination“. Wo sollen diese Personen in ihrem Wohnumfeld künftig kostenlos Bargeld abheben? Der Geldautomat der Sparkasse KölnBonn soll in Kürze verschwinden. Also bleibt nur ein einziger anderer Geldautomat: derjenige der Volksbank Dünnwald-Holweide. Wer nicht Kunde dieser Bank ist, muss allerdings bei jeder Abhebung erhebliche Gebühren entrichten. Auch der Verweis auf Supermärkte hilft dieser Bevölkerungsgruppe keineswegs immer weiter: Um Bargeld abheben zu können, muss nämlich bei jeder Abhebung ein Mindesteinkauf getätigt werden.
Das Abheben von Geld in einem Supermarkt ist zudem äußerst kritisch zu bewerten! In Supermärkten gibt es in den oft langen Warteschlangen an der Kasse keinen Raum für Vertraulichkeit. Wer ausreichend nahe an der Kasse steht, erfährt nicht nur, wie viel Geld sich andere Kunden*innen auszahlen lassen. Die Betreffenden registrieren auch, ob es sich um eine unsichere, ältere Person handelt. Dies kann in Einzelfällen zu einem Diebstahl oder gar Raub motivieren. Leider scheint auch in Höhenhaus die Zahl der Einbrüche wieder zuzunehmen.
Das Abheben von Geld in einem Supermarkt ist außerdem auf maximal 200 Euro beschränkt. Wer gelegentlich größeren Finanzbedarf hat (etwas für eine Urlaubsreise), muss mehrfach einkaufen.
Sollten Einwohner von Höhenhaus Wertgegenstände bisher in einem Schließfach der Sparkasse in Höhenhaus gegen Diebstahl gesichert haben, wird es für diesen Personenkreis künftig problematisch und für Einbrecher interessanter: Denn auch die Schließfächer wird es demnächst nicht mehr geben.
Früher war es vor allem aufmerksamen Mitarbeiter*innen von Geldinstituten zu verdanken, dass ältere Menschen nicht auf „Enkeltricks“ reinfielen und größere Geldmengen abhoben, um das Geld anschließend Betrügern auszuhändigen. Durch den Wegfall der Höhenhauser Sparkassen-Filiale erhalten Trickbetrüger leider wieder bessere „Arbeitsbedingungen“.
Von „Umwandlungen“ in der Kundenbetreuung zu sprechen, statt von „Schließungen“ ist ein verbaler Trick. Denn bisher gab es verlässliche tägliche Öffnungszeiten an einem bekannten, sicheren und einigermaßen gut zu erreichenden Ort. Künftig wird es vermutlich maximal zweimal in der Woche und nur für zwei Stunden (120 Minuten) den Halt eines Sparkassen-Busses an einer bislang noch nicht bekannten Stelle geben (vielleicht sogar an variierenden Plätzen). Wie man dann bei schlechtem Wetter und einer langen Warteschlange in diesem Bus längere Beratungen zu oft schwierigen Finanzprodukten durchführen will, ist noch ein Rätsel.
Durch die Schließung der Sparkassen-Filiale würde der bislang wachsende und aufstrebende Stadtteil Höhenhaus (insbesondere die dortige „Geschäftswelt“) an Attraktivität verlieren. Vom Verlust an Vertrauen in die Sparkasse KölnBonn soll hier gar nicht erst die Rede sein.
Die Sparkasse KölnBonn ist laut ihrer Satzung dem „Gemeinwohl“
verpflichtet. Auch wirbt sie (bislang) noch mit dem Slogan
„Wir sind immer ganz in Ihrer Nähe“ und mit ihrer sozialen Haltung.
Appellieren Sie an den Vorstand der Sparkasse KölnBonn und an den Rat der Stadt Köln auf dem Formular „Bürgervotum“, die Filiale Höhenhaus dauerhaft in der bisherigen Form weiterzuführen.
Die Genannten (und wir alle) haben Verantwortung, besonders auch gegenüber den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft.
